Farhad Qarar – Profil und Werdegang
Farhad Qarar ist ein Autor islamwissenschaftlicher Texte und Stellungnahmen in deutscher und arabischer Sprache. Mehrere seiner Veröffentlichungen erschienen auch unter dem Autorennamen F. Qarar.
Er beschäftigt sich seit Mitte der 1990er Jahre mit islamischen Wissenschaften. Seine Studien führten ihn über mehrere Jahre in die arabische Welt, insbesondere nach Kairo und Damaskus. Inhaltlich befasste er sich mit arabischer Sprache, klassischen Quelltexten, Koranexegese, Hadith-Wissenschaften, Grundlagen der Überlieferung, islamischem Recht und vergleichender Religionsforschung.
Dieser Werdegang umfasst frühe Bezüge zur deutschsprachigen Islamlandschaft, mehrjährige Studienaufenthalte in Kairo und Damaskus sowie eine spätere Tätigkeit als Autor und Vortragender.
Frühe Bezüge zur deutschsprachigen Islamlandschaft und zur Muslimischen Jugend MJÖ
In seiner Kindheit erhielt Farhad Qarar erste Grundkenntnisse über den Islam im familiären Umfeld sowie im schulischen Religionsunterricht.
In seiner Jugendzeit nahm er mehrfach an Zeltlagern des „Haus des Islam“ (HDI) in Deutschland teil. Teilweise besuchte er auch Veranstaltungen ähnlicher Einrichtungen, darunter das „Treffen deutschsprachiger Muslime“ (TDM) in Deutschland.
Bei einem solchen HDI-Treffen im Jahr 1994 kam es am Rande zur Gründung der sogenannten „Muslimischen Jugend“ (MJ). Farhad Qarar gehörte zu den Gründungsmitgliedern, da er Teil des ersten beratenden Gremiums, der sogenannten Schura, war. Seine Aufgabe bestand darin, sich um jene Belange zu kümmern, die Österreich betrafen. Bald darauf verließ er diese Schura jedoch wieder und hatte danach keine Funktion mehr in dieser Jugendbewegung. Aus dieser MJ entstand in den folgenden Jahren die heute bekannte Muslimische Jugend Österreich (MJÖ).
Die Personen, die zu jener Zeit die MJÖ in Österreich aufbauten, waren ihm bereits zuvor bekannt. Dazu zählten insbesondere Moussa Al-Hassan Diaw, Wolfgang Mumin Bauer, Alexander Osman und Farid Hafez. So holte er z.B. den damals noch sehr jungen Farid Hafez von dessen Elternhaus in Ried ab, um ihn zu einem HDI-Zeltlager mitzunehmen.
Diese Angaben werden hier bewusst erwähnt, weil sie zeigen, dass Farhad Qarar mit der deutschsprachigen Islamlandschaft bereits seit seiner Jugendzeit vertraut war. Der deutschsprachige Raum war für ihn also kein später oder äußerlicher Bezugspunkt; vielmehr kannte er gesellschaftliche und religiöse Entwicklungen, insbesondere innerhalb der deutschsprachigen Islam-Szene, bereits aus eigener früher Erfahrung.
In Deutschland lernte er Muhammad Siddiq Borgfeldt, den Gründer und Leiter des HDI, kennen und traf ihn bei den jährlichen Treffen häufig. Muhammad Siddiq war zu Beginn auch Vorstand der damals neu gegründeten MJ. Auch Ahmad von Denffer begegnete Farhad Qarar in seiner Jugendzeit einige Male. Gemeinsam mit Muhammad Siddiq nahm er in dieser Zeit zudem an der sogenannten kleinen Pilgerreise (Umrah) nach Mekka teil und besuchte dabei die bedeutendsten Orte der arabischen Halbinsel.
Mehrere Jahre besuchte Farhad Qarar den schulischen Religionsunterricht für Oberstufen. Unterrichtet wurde er dort unter anderem von Anas Schakfeh, dem späteren Präsidenten der offiziellen „Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich“, sowie von Dr. Hamidi. Anas Schakfeh war zu jener Zeit für den islamischen Religionsunterricht in Österreich verantwortlich.
In seiner Jugendzeit begann Farhad Qarar, sich mit der arabischen Sprache und mit einzelnen islamischen Wissensgebieten zu beschäftigen. Zugleich begann er, den Qur’an auswendig zu lernen.
Aus seiner damaligen Beschäftigung mit dem Islam ergab sich, dass er über mehrere Jahre hinweg in wöchentlichen privaten Lehrkreisen islamisches Grundlagenwissen weitergab. An einigen dieser Lehrkreise nahmen regelmäßig auch mehrere der damals noch jugendlichen Personen teil, die später die MJÖ aufbauten. Einige von ihnen kamen sporadisch zu diesen Treffen, um zuzuhören oder Fragen zu stellen; andere nahmen regelmäßig daran teil. Besonders erinnert sich Farhad Qarar in diesem Zusammenhang an Moussa Diaw.
Im Laufe der Zeit gingen diese Personen jeweils eigene Wege. Sie gingen relativ bald im Projekt MJÖ auf und erlangten durch ihre späteren Tätigkeiten eine gewisse Bekanntheit. Farhad Qarar hatte seit jener Zeit, spätestens wohl seit 2002/2003, keinen Kontakt mehr zu diesen Personen. Dies hing nicht zuletzt damit zusammen, dass er kurz darauf sein Auslandsstudium antrat bzw. intensivierte. Die letzten Zusammentreffen fanden wohl etwa nach seinem ersten, rund halbjährigen Aufenthalt in Kairo statt.
Nur Moussa Diaw sah Farhad Qarar später noch einmal, und zwar im Jahr 2014. Diaw erschien damals in der von Farhad Qarar zu diesem Zeitpunkt geleiteten „al-Iman-Moschee“ in Wien zu einem Vortrag aus der Reihe „Hinweise zum islamischen Kriegsrecht“ und hörte sich diesen an. In dieser Vortragsreihe kritisierte Farhad Qarar den sogenannten „IS“ aus verschiedenen Gesichtspunkten und versuchte, mäßigend auf Zuhörer im deutschsprachigen Raum einzuwirken.
Demgegenüber wurden im Jahr 2017 völlig gegensätzliche Behauptungen über ihn aufgestellt. Damals wurde ihm durch mehrere Personen ausgerichtet, dass auch Moussa Diaw über diese Behauptungen sehr verwundert war.
Islamische Religionspädagogische Akademie in Wien
Nach dem Präsenzdienst beim österreichischen Bundesheer begann Farhad Qarar 1998 ein Studium an der Islamischen Religionspädagogischen Akademie (IRPA) in Wien, und zwar in deren Gründungsjahr. Nach etwa einem halben Jahr verließ er die Einrichtung wieder, weil der Unterricht nach seiner Einschätzung im Gründungsjahr noch nicht den erhofften Nutzen brachte.
Gleichzeitig ergaben sich dort Kontakte zu ägyptischen Professoren der al-Azhar-Universität, die damals an der IRPA in Wien unterrichteten. Diese Begegnungen wurden für seine weitere Beschäftigung mit arabischer Sprache und islamischen Wissenschaften relevant, insbesondere nach ersten Studienaufenthalten in Ägypten.
Studienaufenthalte in Kairo
Um die Jahrtausendwende hielt sich Farhad Qarar erstmals länger in Kairo auf. Dort befasste er sich mit Inhalten, wie sie im Umfeld der al-Azhar-Ausbildung und verwandter Studiengänge vermittelt wurden. Dazu gehörten insbesondere arabische Grammatik, Morphologie, Rhetorik, Tafsir / Koranexegese, Koranwissenschaften, Hadith-Wissenschaften und islamisches Recht.
Neben institutionellen Studien beschäftigte er sich im Selbststudium intensiv mit arabischer Sprache und klassischen Texten. Eine besondere Rolle spielten dabei Werke der arabischen Grammatik, darunter das tausendversige Lehrgedicht von Ibn Malik und klassische Kommentare dazu.
Später folgten weitere Studienaufenthalte in Kairo. Insgesamt verbrachte er etwa drei Jahre in Ägypten. Diese Aufenthalte dienten der Vertiefung seiner arabischen Sprachkenntnisse und der Beschäftigung mit verschiedenen Bereichen der islamischen Wissenschaften.
Studienaufenthalte in Damaskus
Nach ersten Aufenthalten in Ägypten setzte Farhad Qarar seine Studien in Damaskus fort. Dort schrieb er sich an der Universität Damaskus für arabische Sprache ein und studierte zugleich vorzugsweise an der al-Fath-Fakultät, die mit der al-Azhar-Universität zusammenarbeitete.
In Damaskus vertiefte er seine Studien in islamischem Recht, Usul al-Fiqh, arabischer Sprache, Hadith-Wissenschaften und Koranrezitation. Neben institutionellen Studien nahm er an privaten Unterrichtssitzungen und Vorlesungen teil. Er hörte Unterrichte bei verschiedenen bekannten Persönlichkeiten der syrischen islamischen Szene und beschäftigte sich besonders mit Hadith-Wissenschaften und klassischer arabischer Sprachwissenschaft.
Rückkehr nach Österreich, Vortragstätigkeit und Publikationen
Nach seiner Rückkehr nach Österreich hielt Farhad Qarar ab Mitte der 2000er Jahre Vorträge in deutscher Sprache in verschiedenen Moscheen. Die Vorträge behandelten grundlegende Themen wie die Niederschreibung der Sunnah, das Streben nach Wissen sowie weitere Bereiche der islamischen Wissenschaften.
In den folgenden Jahren begann er mit der Autorentätigkeit und veröffentlichte Bücher und Schriften in deutscher und arabischer Sprache.
2013 war Farhad Qarar an der Gründung der al-Iman-Moschee in Wien beteiligt und leitete diese in religiöser Hinsicht bis Ende 2014. In diesem Zeitraum fand ein erheblicher Teil seiner Vortragstätigkeit statt. Organisatorische Fragen und Vereinsadministration standen jedoch nicht im Mittelpunkt seiner Tätigkeit.
Einordnung öffentlicher Darstellungen
Zu einzelnen gutachterlichen oder medialen Darstellungen wurden gesonderte Stellungnahmen publiziert und auch auf dieser Webseite zur Verfügung gestellt. Diese Stellungnahmen dokumentieren die Position des Autors und prüfen vorgebrachte Aussagen anhand verfügbarer Quellen.