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Interreligiöser Dialog und religionsübergreifende Erfahrungen

Farhad Qarar lebte seit seiner Kindheit in Österreich und kam dadurch früh mit einer christlich geprägten gesellschaftlichen Umgebung in Berührung. Neben dem islamischen Religionsunterricht nahm er zeitweise auch am evangelischen bzw. katholischen Religionsunterricht teil. Dadurch entstanden bereits früh eigene Eindrücke vom religiösen Selbstverständnis christlicher Mitschüler, Lehrer und gesellschaftlicher Einrichtungen.

Auch außerhalb des schulischen Bereichs kam es wiederholt zu Gesprächen mit Christen unterschiedlicher Richtungen. Dazu gehörten Gespräche mit Vertretern der Church of Jesus Christ, mit Angehörigen der Zeugen Jehovas sowie mit Christen, die sich mit Fragen der Bibelüberlieferung, christlicher Glaubenslehre und religiöser Praxis befassten. Diese Begegnungen waren für ihn ein Anlass, sich nicht nur mit islamischen Quellen, sondern auch mit religiösen Vorstellungen anderer Menschen auseinanderzusetzen.

Besondere Bedeutung hatten spätere Gespräche mit christlichen Theologen in Österreich. Dazu gehörten vor allem der katholische Theologe Dr. Christian Kuhn und der evangelische Theologe Dr. Matthias Geist, seit 2018 Superintendent der Evangelischen Diözese Wien. Mit beiden kam es zu ausführlichen Gesprächen über theologische, religiöse und gesellschaftliche Fragen. Der Austausch wurde als ruhig, sachbezogen und für beide Seiten nützlich erlebt.

Dr. Christian Kuhn führte mit Farhad Qarar wiederholt Gespräche über grundlegende Fragen des Glaubens, des religiösen Selbstverständnisses und des Verhältnisses zwischen Christentum und Islam. Dabei ging es nicht um eine bloße Gegenüberstellung religiöser Positionen, sondern um ein besseres Verständnis der Denkweise des jeweils anderen.

Auch mit Dr. Matthias Geist ergab sich ein intensiver Austausch. Dieser war für Farhad Qarar besonders interessant, weil Dr. Geist neben seiner theologischen Tätigkeit als studierter Mathematiker auch einen naturwissenschaftlichen Hintergrund hatte. Dadurch konnten neben theologischen Fragen auch diverse andere Themenbereiche angesprochen werden.

Im Rahmen dieses Austauschs erhielt Farhad Qarar eine Lutherbibel und beschäftigte sich in der Folge ausführlich mit dem Bibeltext. Er las die Bibel und befasste sich besonders mit dem Alten Testament und den fünf Büchern Mose. Diese Beschäftigung diente nicht der Übernahme christlicher Glaubensgrundlagen, sondern dem besseren Verständnis biblischer Überlieferungen sowie der Unterschiede und Gemeinsamkeiten der abrahamitischen Religionen.

Ergänzend dazu las er christliche Fachliteratur, darunter das Werk „Bibelkunde“ von Dr. Christoph Weist. Dieses Buch half ihm dabei, den Aufbau der Bibel, die geschichtliche Einordnung einzelner Schriften und Fragen der Textüberlieferung besser zu verstehen. Gerade für religionsvergleichende Fragestellungen war diese Beschäftigung von Bedeutung, weil sie Einblicke in die christliche Selbstbeschreibung und in die wissenschaftliche Beschäftigung mit biblischen Texten bot.

Besonders relevant war für ihn auch die evangelische Orientierungshilfe „Respektvoll miteinander – Evangelische Christen und Muslime in Österreich“. Diese Schrift behandelte Möglichkeiten und Grenzen des Dialogs zwischen Christen und Muslimen in Österreich. Farhad Qarar sah darin einen sachlichen Zugang zu Fragen des Zusammenlebens, der gegenseitigen Wahrnehmung und des respektvollen Austauschs zwischen religiösen Gemeinschaften.

Auch ein Austausch mit einem Vertreter der jüdischen Religion wurde von ihm angestrebt, kam jedoch vonseiten jenes Vertreters nicht zustande.

Diese Erfahrungen zeigen eine länger bestehende Bereitschaft zum Gespräch mit Angehörigen anderer Religionen. Sie stehen zugleich im Zusammenhang mit seinem Interesse an vergleichender Religionsforschung, Quellenstudium und sachlicher Auseinandersetzung mit religiösen Überzeugungen.

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